Elsa & Heinrich

nach Motiven von Hartmann von Aue und Tankred Dorst

theater morgenstern: Der arme Heinrich nach Hartmann von Aue
Der arme Heinrich und das Mädchen erwarten den Arzt

Heinrich, ein stolzer Ritter, gewinnt jeden Kampf und jedes Herz. Die Damen lieben ihn. Doch nach einem gewonnen Turnier entlarvt die Zärtlichkeit einer Angebeteten das Schreckliche: Heinrich ist tödlich krank. Verzweifelt sucht er nach Rettung, Ärzte vermessen, wiegen und begutachten ihn. Am Ende steht das Ergebnis, nur das Herzblut einer unschuldigen Jungfrau, welche sich freiwillig für ihn opfere, könne ihn heilen. Der Ritter - vernichtet - lässt Schwert, Rüstung, Reichtum zurück. Von Selbstmitleid erfüllt, beklagt er sein Leid auf einem einsamen Gut.

Dort begegnet er einem Mädchen. Dieses lebt unscheinbar in engen Verhältnissen. Die Pflege von Heinrich gegen den Widerstand des Elternhauses bietet Gelegenheit zu Heimlichkeit und Rebellion. Dabei erfährt es von dem zur Heilung notwendigen Opfer.
Bis dato von allen unbeachtet, sieht es darin plötzlich die Chance für einen vorzeitigen Eintritt in ein erträumtes Paradies, für eigenes Heldentum und Berühmtheit.
Die Lösung scheint perfekt: Das Mädchen tritt aus der Namenlosigkeit heraus, alle Welt wird an dem Opfer Anteil nehmen und ihm Bewunderung zollen; der Ritter wird gesund.
Heinrich ist einverstanden, das Mädchen ist ihm "Medikament"; das Mädchen steigert sich in Begeisterung für sein Vorhaben, es erscheint ihm als befreiende Heldentat.

Nach abenteuerlicher Reise, auf welcher erstmals Zweifel an dem Vorhaben aufkommen, soll der Arzt dem Mädchen nun das Herz aus der Brust schneiden. Beide, Arzt und Mädchen begeben sich hinter eine Wand. Der ungeduldige Ritter entdeckt ein Astloch und will das Geschehen mitverfolgen. Er sieht das Mädchen, daneben den Arzt, der das Messer schärft.

Da endlich fällt es ihm wie Schuppen von den Augen, dass er dieses Opfer nicht annehmen darf. Mitleid und Liebe überwältigen ihn endgültig. Er klopft wie rasend an die Wand, hindert den Arzt am weiteren Vorgehen. Das Mädchen reagiert vorerst mit Enttäuschung und Wut. Heinrich aber ist bereit, sich seiner Krankheit zu stellen. Und er erklärt dem Mädchen seine Liebe.
Berührt und erlöst von dem Wahn, das eigene Herz opfern zu müssen, wendet sich auch das Mädchen Heinrich und dem Leben zu - und Heinrichs Genesung beginnt.

Heinrich und das Mädchen - zwei gegensätzliche Gedankenwelten: um sein ruhmreiches Leben kämpfend der Ritter, in eine fiktive Welt fliehend das Mädchen.
Träume von Stärke, von Heldentum, von Berühmtheit und reinem Glück - aktuelle Sehnsüchte, die Kinder und Jugendliche kennen. Das Opfer des Mädchens scheint diese Sehnsüchte zu befriedigen. Für das Mädchen wird eine irreale Welt zum Zufluchtsort. Und für Heinrich ist das Mädchen nur Mittel zum Zweck, er ist gefangen in den Gedanken um sein eigenes Wohlergehen.

Erst als Heinrich, aufgewühlt durch die heimlich beobachtete Schönheit des Mädchens und das gezückte Messer des Arztes, seinen Egoismus begreift, wird er fähig, seine Krankheit zu akzeptieren und Liebe zu empfinden.

So bietet das Stück eine für Kinder und Jugendliche verblüffend einfache und moderne Lösung an: Einfühlungsvermögen in das, was der andere denkt und tut, verbindet und überbrückt Gegensätze. Und nicht die Flucht in eine fiktive Welt bringt Erfüllung und Glück, sondern die ehrliche Zuwendung zu einem anderen Menschen.

Für Kinder und Jugendliche ab 4. Klasse


Spieltermine 2020

Premiere der Neuinszenierung für die Aufführungen in Friedenau:

Sa 21. März um 19:00 Uhr

 

wochentags:
Mo 23.03. 2020 | Di 24.03. 2020 | Mi 25.03. 2020 | Do 26.03. 2020 | Fr 27.03. 2020
Mo 30.03. 2020 | Di 31.03. 2020 | Mi 01.04. 2020 | Do 02.04. 2020 | Fr 03.04. 2020
jeweils um 10.00 Uhr

 


Projekttage für Schulklassen

Elsa & Heinrich
Theaterspiel der Schüler*innen zur Vorbereitung des Theaterbesuchs


Im eigenen Theaterspiel werden mittelalterliche Figuren zum Leben erweckt.
Doch was hat Elsas Opferwillen mit heutiger Sehnsucht nach „Berühmtwerden“ zu tun?

Sind wir bereit, Dinge zu opfern, um Beachtung zu erlangen?
Theater spielend ergründen wir heutige Situationen.

Kursleitung: Selim Çinar
Dauer: 120 Minuten
3,50 Euro/Kind

Termine:
Mo. 9. März - Fr. 13. März
Mo 16. März - Fr. 20. März jew. um 09:30 Uhr