Geplante Förderprojekte in der Spielzeit 2015/2016

Alles Super!

Das Rathaus Friedenau: einstmals lebendiges Bürgerhaus, dann blutleeres Bürodienstgebäude, nun wird es Unterkunft für geflüchtete Menschen. Darin der Schlesiensaal, seit 18 Jahren Spielstätte von theater morgenstern. Dank dem Einzug der Geflüchteten ist er für das Theater und die Kultur gerettet.  Davor Beton, ein Kiosk, 24h geöffnet, Stammtisch. Hier wird Tacheles geredet.

In diesem Spannungsfeld liegend - zwischen Notunterkunft und Kiosk - zwischen Hoffnung und Standpunkt - sucht das Theater seinen Platz.  ALLES SUPER, Theaterinzenierung, ist ein Weg dahin. Dafür holen wir den Kiosk auf die Bühne und lassen die Pole aufeinandertreffen: Kioskalltag und DER FREMDE.

Inspiration für den möglichen Verlauf dieser Begegnung liefern A. Greders DIE INSEL und R. Doyles Kinderbuch ALLES SUPER. Der eine Weg erforscht die Angstspirale, der andere führt in eine hoffnungsvolle Zukunft. Die Geschichten sind uns dramaturgisches Gerüst, wenn wir ein Theaterstück im Hier und Jetzt erfinden, das sich mit der konkreten Situation in Friedenau auseinandersetzt.

Der Kiosk am Breslauer Platz, dazu eine Betonwüste, isoliert durch einen Rundhorizont, wird auf der Bühne zum Labor für Integration. Zwei Musiker sind Teil der Inszenierung und lassen sich auf ein musikalisches Experiment ein: der klassisch geprägte Cellist mit dem afrikanischen Percussionisten. Hinzu kommt eine Darstellungsweise, die sich Zeit lässt für stumme Dialoge, für Körpersprache. Wir entwickeln seit Jahren eine visuelle Theaterform - eine Theatersprache, die jenseits von Sprachbarrieren verständlich ist. Die Inszenierung will in die Richtung weiter forschen.

Bedingt durch weltweite Umbrüche, werden in Friedenau plötzlich Menschen Nachbarn, zwischen denen noch vor ein paar Wochen tausende Kilometer Distanz lagen. Die Inszenierung will diesen Prozess künstlerisch begleiten.

Theaterinszenierung für Kinder ab 10 und Erwachsene

geplante Premiere am 8. Juli 2016 um 20:00 Uhr
weitere Spieltermine und Infos

Perspektivwechsel - wir spielen DON QUIJOTE

Neuinszenierung geplant 2016

Wir planen eine eigene Bühnenbearbeitung inspiriert durch Miguel de Cervantes' Roman "Der sinnreiche Junker Don Quijote von La Mancha"

Holde Jungfrau oder derbe Bauernmagd?
Wirtshaus, Burg, Windmühlen oder bösartige Riesen?
Don Quijote sieht das Eine - sein Knappe Sancho Panza das Andere. Wenn Don Quijote der Überzeugung ist, gegen ein feindliches Heer zu kämpfen, hört Sancho Panza lediglich eine schreiende Hammelherde.

Don Quijote sieht die Welt aus der Perspektive einer phantastischen Ritterwelt. Er begreift sein Lebensziel in der Verwirklichung seiner Ideale. Sancho Panza nimmt einen rationellen Standpunkt ein. Er ist bereit Lebenszeit zu investieren, in der Hoffnung, sich dadurch ein geruhsames, sorgenfreies Leben zu verdienen. Eigentlich hält er das für großen Unfug, was Don Quijote treibt, der wiederum bewertet die geistigen Fähigkeiten Panzas sehr gering. Trotzdem bleiben sie zusammen, werden sogar Freunde.

Eine individualisierte Gesellschaft und globalisierte Welt fordern dazu heraus,fremde Sinnfelder anzuerkennen als mögliche Betrachtungsweisen EINER Sache. DER SINNREICHE JUNKER DON QUIJOTE VON DER MANCHA begeistert uns als wunderbaren Einstieg, um ein Einfühlen in andere Sichtweisen anzuregen. Geplant ist eine Theaterinszenierung für Kinder ab 9.

Im Gegensatz zu anderen Bearbeitungen interessiert uns nicht die Nacherzählung der Geschichte, sondern die Realisierung eines fulminanten Spiels der Perspektivwechsel, das Ringen um einen erweiterten Realitätsbegriff.

Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht das Schauspiel. Mit prägnanten Dialogen und einem körperlichen, handlungsorientierten Spiel wollen wir die Inszenierung auch für Kinder und Erwachsene öffnen, welche nicht in der deutschen Sprache zuhause sind. Wir haben mit unserer letztjährigen Inszenierung von „Kirsche, Staub, Stuhl“ („DIE GROßE WÖRTERFABRIK“)  nach dem Bilderbuch von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo einen reichen Erfahrungsschatz an Ausdrucksmöglichkeiten gesammelt, welche jenseits der hörbaren Kommunikation ein Verständnis und Miterleben des Geschehens ermöglichen. Daran möchten wir weiter arbeiten.
Unsere Vorstellungen wurden regelmäßig von sog. „Willkommensklassen“ besucht - Kontakte, die wir sehr gerne ausbauen und intensivieren möchten.

Begleitend zum Theaterstück wollen wir ein kunstpädagogisches Projekt ausarbeiten, welches im Vorfeld oder im Nachklang des Theaterbesuchs in Anspruch genommen werden kann.  Ausgehend von Picasso-Malereien können wir uns eine Beschäftigung mit kubistischen Aspekten vorstellen, d.h., dass Bilder und Collagen entstehen, auf denen Objekte, Situationen gleichzeitig aus verschiedenen Perspektiven zu sehen sind.
Damit wollen wir das Erlebnis noch vertiefen, dass das Wahrgenommene in Abhängigkeit vom Blickwinkel wandelbar ist und hoffentlich Begeisterung dafür wecken, andere Standpunkte auszuprobieren.