24 Jahre Morgenstern in Kürze

Das MORGENSTERN inszeniert seit 1994 sehr erfolgreich Theater für Kinder, Jugendliche und ihre Familien. Das Repertoire reicht von Bearbeitungen alter Sagen und Märchen, Klassikern der Weltliteratur über zeitgenössische Autoren bis hin zu eigenen Stückentwicklungen. Mit den Theaterausflügen ins Berliner Umland etablierten die Gründer*innen ein bundesweit einzigartiges Format. Bis zu 20.000 Kinder und Jugendliche besuch(t)en jährlich die Veranstaltungen in Berlin und im Umland.

Doch trotzdem steht das MORGENSTERN aktuell vor dem finanziellen Aus: Es steht vor der grotesken Situation, dass es nach langem Kampf um die eigene Berliner Spielstätte nicht in der Lage ist, diese zu finanzieren. Nach der erneuten Ablehnung unserer Förderanträge seitens des Kultursenats findet eine 24-jährige erfolgreiche Theaterarbeit möglicherweise ihr jähes Ende:

33 Inszenierungen
3.256 Vorstellungen
419.844 Besucher*innen

Ein neues Theater!

Am 11. September 1994 findet die erste Premiere statt. MORGENSTERN, ein Kinder- und Jugendtheater, ist gegründet. Der kindliche Geschichtenhunger ist uns Antrieb. Philosophische Themen, menschliche Werte und die Kraft der Fantasie stehen im Fokus.

Innerhalb kurzer Zeit entstehen mehrere Produktionen. Unsere Stärke ist es, Geschichten so zu fokussieren, dass sie von maximal vier Schauspieler*innen und einem Musiker gespielt werden können.

Unterwegs in der ganzen Stadt und mit der Bahn aufs Land

Im Nu bauen wir ein Netzwerk an Spielorten in fast allen Berliner Bezirken auf. Unsere Heimat wird jedoch schon bald Tempelhof-Schöneberg. Jährliche Tourneen führen uns durch Deutschland und die Schweiz.

1997 erfinden wir das bundesweit einmalige Format der Theaterausflüge für Schulklassen. Wir arbeiten mit dem Kloster Chorin zusammen sowie dem Freilichtmuseum Altranft, dem Museumspark Rüdersdorf, dem Naturpark Schöneberger Südgelände und einigen anderen. Wir spielen in einer alten Scheune, einem Schlosspark, auf einem Bauernhof, in einer Schachtofenbatterie, im Kirchenschiff, Kreuzgang und Paradiesgarten eines Klosters.

Wir verbinden Theateraufführungen an besonderen Orten wie dem Kloster Chorin mit einem ereignisreichen Erlebnistag und künstlerisch-handwerklichen Werkstätten. Für viele Kinder sind die Theaterausflüge ihre erste Bekanntschaft mit dem Berliner Umland.
96.181 Kinder nehmen in 16 Jahren an den Ausflügen teil.

Partnerschaften mit Langzeitwirkungen & Zuhause in Friedenau

Das feste Ensemble baut nachhaltige persönliche Beziehungen zu vielen Schulen, Lehrer*innen und Kindern auf. Viele Lehrkräfte besuchen das Theater über Jahrzehnte mit ihren Klassen. Kinder aus den Anfangszeiten sind heutige Berufspraktikant*innen im Theater.

Ab 2006 wird das Rathaus Friedenau zu unserer festen Heimat. Der Südwesten Berlins hat damit endlich ein eigenes Kinder- und Jugendtheater mit einem kontinuierlichen Spielplan für Kitas, Grundschulen und Familien.
20.000 Besucher*innen besuchen alljährlich unsere Veranstaltungen.

Eine neue künstlerische Sprache

Das regelmäßige Spiel im Rathaus Friedenau ermöglicht uns die Weiterentwicklung unserer eigenen künstlerischen Sprache. Die Live-Musik (Cello) tritt verstärkt in den Fokus und wird zum ebenbürtigen Erzählmittel neben dem Schauspiel. Durch die Synthese von Musik und Schauspiel wird unsere Darstellung immer bewegter und tänzerischer. Wir entwickeln eine Theaterform, die einzigartig ist und unsere jungen Besucher*innen gezielt in innere Bewegung versetzt.

Immer wieder bilden ungewohnte Stoffe die Basis unserer theatralen Arbeit. Zum Beispiel entwickeln wir ein Theaterstück, welches sich zum 200. Jubiläum von Goethes Farbenlehre mit der Entstehung von Farben auseinandersetzt. Das ganze Theater wird zum Experimentierlabor für Kinder und Erwachsene.

Freiraum zum Durchstarten & neue Nachbarn

2014 gerät unser Spielort in Friedenau in Gefahr. Das Finanzamt für Fahndung und Strafsachen soll ins Rathaus einziehen. Nach zähen Auseinandersetzungen gibt es 2015 endlich eine Lösung. Das MORGENSTERN kann im Rathaus Friedenau verbleiben, wird alleinige Hausherrin des Theatersaals und Nachbarin einer Notunterkunft für Geflüchtete.

Wir initiieren künstlerische Formate, die eine Begegnung von alter und neuer Nachbarschaft zum Ziel haben. Zum Beispiel findet das Format „Culture Space“ unter aktiver Beteiligung von Geflüchteten und Alteingesessenen statt: thematische Abende, an denen Künstler*innen aus verschiedenen Kulturräumen zusammen improvisieren, erzählen, sprechen. Durch Kontakte zu jungen, unbegleitet Geflüchteten nehmen zahlreiche Jugendprojekte ihren Anfang.

MORGENSTERN ist einer der ersten Orte im Bezirk, an dem Begegnung und Austausch wirklich stattfinden können.

Seit 2015 finden 15 interkulturelle Theater- und Kunstprojekte mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen statt sowie 105 Projekttage und 13 Projektwochen mit Schulklassen.
3.275 Teilnehmende sind daran beteiligt.

Neue Perspektiven

Das MORGENSTERN ist durch die eigene Spielstätte zu einem breit wahrgenommen Kulturort in Friedenau geworden. Im vergangenen Jahr haben wir deshalb unsere Außendarstellung komplett überarbeitet, neue Formate für Lehrer*innen und Konzepte entwickelt. Alsbald soll unsere neue Website online gehen, die die gegenwärtige Theaterarbeit abbildet.

Für die Zukunft hat sich das MORGENSTERN zum Ziel gesetzt, das gesellschaftliche Zusammenleben in Friedenau insofern zu beeinflussen, als Diskurse angeregt, künstlerische Formate ausprobiert werden, die den aktuellen gesellschaftlichen Zersplitterungs- und Polarisierungstendenzen die Kraft des sozialen Zusammenhalts, die Kraft der Utopie und Zuversicht entgegenstellen. Wir wollen einen Ort des aktiven Demokratielernens entwickeln. Jahrelange Erfahrungen in innovativer und flexibler Projektgestaltung bringen wir mit.

Es fehlt am Nötigsten

Doch um eine Programmgestaltung zu gewährleisten, um neue Formate zu entwickeln, um weitere Veranstaltungen zu initiieren, die der Lokalität angemessen wären, um die Ausstrahlungskraft des Ortes zu stärken, um als Kinder- und Jugendtheater vermehrt neue Wege ausprobieren zu können und auch um die Kinder- und Jugendarbeit angemessen betreuen zu können, reichen unsere finanziellen Kapazitäten nicht mehr aus.

Wieso waren wir überhaupt über einen so langen Zeitraum arbeitsfähig? Weil wir uns von Anfang an über eine tolle Auslastung freuen konnten, weil wir nebenberuflich einen Holzhandel betreiben, der uns den Lebensunterhalt mit drei Kindern sichert, weil der Verdienst aller Beteiligten unter der empfohlenen Honoraruntergrenze liegt sowie eine 7-tägige Arbeitswoche seit vielen Jahren der Normalzustand ist.

Tod durch Perspektivlosigkeit?

MORGENSTERN erhält seit 24 Jahren keine institutionelle Förderung.
Dadurch fehlen die Strukturen, um die eigene Spielstätte betreiben und entwickeln zu können. Es fehlen die Mittel, um den künstlerisch Tätigen ein angemessenes Auskommen zu sichern. Wechselnde Veranstaltungen können zur Zeitweder technisch noch personell betreut und unterstützt werden. Wir können uns keine adäquate Öffentlichkeitsarbeit und professionelle Verwaltung leisten. Und wir haben keinen Freiraum, um die künstlerisch-programmatische Gestaltung eines zentralen, atmosphärischen Spiel- und Veranstaltungsortes in Angriff nehmen zu können.

Durch Förderungen vom Kultursenat hatten wir gehofft, die notwendigen Strukturen finanzieren zu können. Unser entsprechender Antrag wurde jedoch abgelehnt. Ohne eine finanzielle Perspektive steht das etablierte und in Berlin sehr gut verankerte Kinder- und Jugendtheater vor dem Aus. Bitte helfen Sie uns, dass MORGENSTERN als wichtiger Kulturort für Kinder und Jugendliche im Südwesten Berlins eine adäquate Unterstützung bekommt und erhalten bleibt.

Wir sind dringend auf tragfähige Perspektiven für 2019 angewiesen, wenn der Vorhang sich am 31.12.2018 nicht endgültig schließen soll. Gerne stehen wir für Fragen zur Verfügung.

Sie erreichen uns unter info(at)theater-morgenstern(dot)de oder per Tel. 030 92355950 oder 03329 697350.